Erhöhung der Minijob-Pauschale

Lohnt sich der Wechsel von einem bestehenden Minijob in eine Hauptbeschäftigung?

Dem Wahlvolk als möglichen Einstieg in „reguläre“ Arbeitsverhältnisse schmackhaft gemacht, dienten die beitragspflichtigen Minijobs (Monatslohn bis 400,00 €; die Abgaben trägt allein der Arbeitgeber) von Anfang an nur der Füllung der chronisch leeren Sozialkassen bzw. als Angebot an Hauptbeschäftigte, durch eine zusätzliche Nebenbeschäftigung halbwegs elegant die seit 1999 massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten abzufedern.

Ab dem 1. Juli 2006 steigen die Pauschalbeiträge für Minijobs für WEGen von 25,10 % auf 30,10% des Bruttolohns: 400,00 € kosten den Arbeitgeber (statt wie bisher 500,40) künftig 520,40 €. Könnte es sich lohnen, aus einem bestehenden Minijob (bis 400,00 €) in eine Hauptbeschäftigung zu wechseln? Meinen Berechnungen zur Beantwortung dieser Frage habe ich (...nicht zufällig...) die Beitragssätze der AOK Hessen, den ab 1. Juli gültigen Lohngleitzonenfaktor F = 0,7160 und ein Monatssalär von 400,00 € brutto gleich netto (Minijob) bzw. 401,00 € brutto (Hauptbeschäftigung) zugrunde gelegt. Hier sind die Ergebnisse:

  1. Bis zu einem Monatslohn von 378,20 € ist der Wechsel vom Minijob in eine Hauptbeschäftigung in jedem Fall uninteressant.
  2. Bei Monatslöhnen bis 400,00 € müssen alle Beiträge zwingend an die Minijobzentrale der Bundesknappschaft entrichtet werden, ab 400,01 € hingegen an eine Krankenkasse und das Finanzamt: Der Arbeitnehmer geht nun einer Hauptbeschäftigung nach. Er ist jetzt an den Sozialabgaben (mehr oder minder bis knapp über die Hälfte) beteiligt und muss eine Lohnsteuerkarte vorlegen. Der Arbeitnehmer möchte wie bisher 400,00 € Nettolohn. Die Kosten im Rahmen einer Hauptbeschäftigung betragen für den Arbeitgeber bei den Lohnsteuerklassen IV, I und III 569,00 €, bei der Lohnsteuerklasse V (grob geschätzt) bereits 680,00 € und bei der Lohnsteuerklasse VI satte 807,70 €.
  3. Der Bruttolohn beträgt 401,00 €, die den Arbeitgeber in jedem Fall 492,03 € kosten; der Arbeitnehmer verzichtet auf Nettolohn: bei den Lohnsteuerklassen IV, I und III fließen 360,99 €, bei der Lohnsteuerklasse V 308,53 € und bei der Lohnsteuerklasse VI lediglich 247,10 € auf sein Konto.

Der Arbeitgeber könnte also (bei herben Abzügen für den Arbeitnehmer) monatlich 28,37 € sparen, was allerdings mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand zu erkaufen wäre:

  1. Arbeitnehmer haben ihre Einkünfte der Beitragsbemessungsgrenzen und der Lohngleitzonenregelung wegen lückenlos offenzulegen, was grundsätzlich auf wenig Gegenliebe stößt. Alle Angaben sind sorgfältig zu kontrollieren und ggf. engmaschig zu überwachen.
  2. Lohnsteuerkarten müssen zu Beginn eines Jahres (in der Regel) angemahnt und ins Lohnabrechnungsprogramm übertragen, zum Jahresende in Lohnsteuerbescheinugungen „umgewandelt“ und verschickt werden.
  3. Sozialversicherungsbeiträge sind nicht mehr einheitlich an die Minijobzentrale der Bundesknappschaft, sondern an die jeweilige Krankenkasse des Arbeitnehmers zu entrichten; eine Vielzahl Krankenkassen wäre somit in das Lohnabrechnungsprogramm einzupflegen. Nicht gemeldete Krankenkassenwechsel (Teilzeitjobber vergessen derlei Mitteilungen gerne) erfordern regelmäßig aufwändige und zeitraubende Korrekturen.
  4. Beim Wechsel vom Minijob in eine Hauptbeschäftigung müssen bestehende Arbeitsverträge arbeitsrechtlich korrekt gekündigt und entsprechend neu abgeschlossen werden, was letztendlich einen Personalwechsel zur Folge haben dürfte: Ausländern ist oft nur eine geringfügige Beschäftigung erlaubt; bewährte Hausreinigungskräfte hingegen lehnen saftige Lohneinbußen ab...

Fazit:

  • Bei einem Monatslohn unter 378,20 € ist der Minijob die für den Arbeitgeber günstigere Wahl.
  • Wäre ein bei der Minijobzentrale der Bundesknappschaft gemeldeter Arbeitnehmer bereit, je nach Lohnsteuerklasse (und bei einem bisherigen Lohn von genau 400,00 €) auf 39,01 €, 91,47 € bzw. 152,90 € zu verzichten, um in eine Hauptbeschäftigung zu wechseln, könnte die WEG (... monatlich...) 28,37 € sparen, was allerdings mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden und arbeitsrechtlich heikel wäre.
  • (Die u. U. negativen Folgen für den Arbeitnehmer bei Verlust der Vollzeitbeschäftigung sind nicht Thema dieses Aufsatzes.)
  • Bei Neueinstellungen wäre (nach aufwändigen Einzelfallprüfungen) eine Hauptbeschäftigung in Teilzeit anstelle eines Minijob-Arbeitsverhältnisses unter günstigen Voraussetzungen (Lohnsteuerklassen IV, I und III; Studenten, Beamte) dennoch eine Überlegung wert.

Tobias Maisack, 5. Mai 2006

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